Klänge der Großstadt

Ca. 25 Zuschauer haben sich an diesem sonnigen Nachmittag im Junipark eingefunden. Von der Tribüne werden wir abgeholt und an der Seite entlang geführt. In der unteren Bühnenlandschaft wollen wir uns die Präsentation von „WOHNTON“ ansehen. Und um dort hin zu gelangen, werden wir an Blumenbeeten vorbei, in denen Tomatenstauden, Nutzkräuter und Blumen wachsen, zur Vorstellung gebracht. Mit dem Hinweis: Achtung!!! Es gibt Löcher im Boden und Gerüststangen, über die man steigen muss. Holzbretter dienen als Stege. Sie führen uns quasi in den Bauch des JUNIPARKS, unter die Tribüne.

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Hier ist die gute Wohnstube denke ich. Die Rederei hat hier ihr zu Hause bezogen. Es gibt bunte Bänke, Stühle, mit Kissen, farbig gemalte Schränkchen, Tischchen. Es sieht gemütlich aus. Eine Art geistig intellektuelles Gewächshaus. 

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Wo der JUNIPARK anfangs noch ein eher etwas abweisendes, kühles Stahlgerüst war, ist er inzwischen zu einem anziehenden und angezogenen Ort geworden. Nicht, das man hier übernachten könnte, aber während des Tages dient er sehr wohl als Heimstätte für unterschiedlichste Gruppen und Besucher, die inzwischen regelmäßig hier sind. Und wir, sind jetzt am Ort der Aufführung angelangt. 

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Die performative Soundinstallation beginnt. Schülerinnen und Schüler der Hector-Peterson-Schule in Kreuzberg haben diese Performance in Kooperation mit dem Houseclub/HAU vom Hebbel am Ufer erarbeitet. Unter der Anleitung von Niels Bovri, der mit den Jugendlichen mitspielt. Sie quasi in der Soundcollage dirigiert. Die Jugendlichen haben sich vorab Gedanken gemacht, wie sie wohnen wollen und es aktuell gerade tun. Haben zusammen getragen mit welchen Gegenständen sie sich umgeben. Und sich gefragt: Wie klingt ein Stuhl? Ein Computer? Das Bett? Uns werden ihre Ergebnisse jetzt präsentiert. Wir erleben, wie vertraute Gegenstände zu akustischen Instrumenten werden. Ein Stuhl klappt auf, klappt zu, klappt auf, klappt zu. Hören eine Collage aus Geräuschen, Tönen, Seufzern,Lauten. Es fistelt, ruft, klackert, klotzt, rauscht, krumpelt.

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Dabei sehen wir in dem performativen Spiel die ewige Wiederholung. Das jeden Morgen auf die gleiche Weise stattfindende Ritual: geweckt werden, aufstehen, sich auf den Weg machen. Dann wechselt die Szene. Aber auch die Arbeit, wohl offensichtlich primär am Computer, geschieht in ständiger Wiederholung. Wir hören das nachgeahmte Geräusch von Computertastaturen bis zum Ende. Bis zum Ende. Bis zum Ende unserer Tage. Eines der mitwirkenden Mädchen steht nicht mehr auf. Es hilft kein Wecken mehr. So wird sie symbolisch auf den Boden gelegt. Ja, wir alle sind endlich. Und dann beginnt auch schon das stürmische Finale. Eine Art eigenwilliger Tanz mit den Elementen, zuvor noch Tisch, Stuhl und Bett, findet statt. Nichts bleibt mehr wo und was es ist. Das wüste Szenario unserer Zukunft?

Als die Performance zu Ende ist, klatscht das Publikum, bewegt sich im Anschluss aber nicht gleich wieder raus aus dem bunten Gestänge, weg von diesem Aufführungsort. Zwischen unschlüssig, wo wir als nächstes hin gehen sollen und dem Gefühl, es ist gerade so nett hier, bleiben wir noch eine Weile. Bis wir vom Spielleiter aufgefordert werden doch bitte zu gehen. In 15 Minuten wird das kleine Stück noch einmal aufgeführt. Und bis dahin muss alles wieder an seinen Platz aufgeräumt und zusammengebaut sein. Ja, es ist ein ewiger Kreislauf.

Antonia

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