Zwischenzeit

Nachmittag. 17 Uhr. Es hat in Strömen geregnet. Es windet. Es stürmt. Die Wolken ziehen in wilden Formationen über den Himmel. Das Gerüst scheppert. Als der Regen endlich ganz aufgehört hat, wird der Tanzboden trocken gewischt. Die Tribüne für die Zuschauer ist glücklicherweise durch ein Dach vom Wasser geschützt geblieben. Open Air Veranstaltungen sind eine große Herausforderung. Wünsche, dass das Wetter ab jetzt hält, werden gen Himmel geschickt.

Jetzt, wo die Sonne wieder auf die Tribüne strahlt, wirkt das Licht am Horizont so, als würde gleich das Meer hinter dem frisch gewaschenen Juniparkhimmel beginnen. Ich komme mir vor, als stünde ich auf einem Schiff. Das gefällt mir. Der Wind pfeift und weht immer noch durch die Wipfel der umliegenden Bäume und mir die Haare ins Gesicht. JUNIPARK – Volle Fahrt voraus. Bis zur Premiere von WELTWEIT… UNTERWEGS ist es aber noch ein Stündchen. Und ich beobachte die Szenerie:

Ein Mann mit Kind im Fahrradanhänger, hält vor dem Eingang. Die Beiden wollen einen Blick in den Junipark werfen. Eine türkisch sprechende Familie, Mutter, Vater, drei Kinder kommen. Der Jüngst wedelt mit einer Deutschlandfahne in der Hand. Ach ja, die Fußballweltmeisterschaft hat begonnen. Sie setzen sich auf die Tribüne, neben eine Mutter, die dort ihr Kind stillt. Passiert hier gleich was? Studenten, lässig die Koffeinbrause in den Händen, schlendern übers Gelände. Ein Nachbar, scheinbar hungrig, und kauft sich ein Butterbrot an der Bar, die eigentlich erst kurz vor der Vorstellung öffnet. 

Dieser Ort:

Eine Bühne? Ja.

Ein Kommunikationsort? Ja.

Eine Bar? Ja.

Ein Ort mit Klassenunterschieden, wo die einen wichtiger sind, als die anderen? Ja.

Ein Ort mit Größenunterschieden? Ja.

Ein Ort mit Fragen? Ja.

Ein Ort mit Meinungsunterschieden? Ja.

Ein Lernort? Ja.

Mit unterschiedlichen Gefahren? Ja.

Unterschiedlichen Aussichten? Ja.

Ein Ort, der nichts Heiliges hat, nicht unberührbar ist? Ja.

Glücklicherweise.

Die Kinder, die gleich ihre Theaterarbeit zeigen werden, spielen fangen. Sie haben sich in ihrem drei Tage dauernden Workshop den Junipark zu Eigen gemacht, trotz Regen, Sturm, Gewitter, das die Proben verkürzt hat. Erschwerte Bedingungen und wenig Zeit. Das tut ihrer Freude auf die Vorstellung keinen Abbruch. Zur Nervenberuhigung wird weiter fangen gespielt. Die Kinder laufen über die Bühne, rennen atemlos durch die Seiteneingänge in den ersten Stock, das Geländer entlang, zur Rückseite, wieder nach unten, nach draußen über die Wiese. Bis der Juniparksong durch den Raum schallt. Indirektes Signal, das es gleich losgeht. Letzte Bühnenarbeiten. Ein an der Gerüstkonstruktion aufgespanntes Laken wird von zwei Mädchen mit schwarzer Farbe bemalt: Fenster mit seitlich zurück gezogenem Vorhang, Schrank, Tisch, Stuhl und Katze.

Antonia

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